Methylierung und Methylierungsstörung

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Autor
Lilia Baron

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Methylierung: Unser unsichtbarer Dirigent

Stell dir vor, dein Körper wäre ein riesiges Sinfonieorchester: Jede Zelle, jedes Organ und jedes Gewebe spielt eine eigene Melodie. Nur wenn alles optimal aufeinander abgestimmt ist, entsteht eine harmonische Komposition - und der unsichtbare Dirigent, der dieses Zusammenspiel in unserem Körper lenkt, heißt Methylierung. Doch dieser Dirigent kann aus dem Takt geraten, was zu einer Methylierungsstörung führen kann.

In diesem Artikel erfährst du, was genau Methylierung ist, welche Rolle Nährstoffe spielen, wie man Methylierungsprobleme erkennt, welche Beschwerden sie auslösen können und wie sie sich beheben lassen. Wir schauen uns nicht nur die Sichtweise der gängigen Wissenschaft auf die Methylierung an, sondern auch was alternative Experten, auch aus dem Bereich der integrativen, funktionellen und holistischen Medizin zu diesem Thema sagen.


Was ist Methylierung?


Die Methylierung ist ein biochemischer Prozess, der in jeder Zelle deines Körpers stattfindet. Dabei werden winzige Molekülgruppen (sogenannte Methylgruppen) an verschiedene Stellen unserer DNA oder Proteine angehängt oder von ihnen entfernt. Dieser Vorgang funktioniert wie ein An-Aus-Schalter für unsere Gene und beeinflusst, welche Proteine unser Körper produziert und wie er auf die Umwelt reagiert.

Die Methylierung spielt eine entscheidende Rolle bei vielen lebenswichtigen Körperfunktion:

  • Genregulation: Methylgruppen können Gene an- oder abschalten. Das beeinflusst, ob bestimmte Erbinformationen überhaupt zum Tragen kommen.
  • Herstellung und Abbau von Neurotransmittern: Darunter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, die für Stimmung, Antrieb und Konzentration wichtig sind.
  • Hormonhaushalt: Zum Beispiel beim Abbau von Östrogenen.
  • Entgiftung: Zahlreiche Umweltgifte und Stoffwechselprodukte müssen mithilfe der Methylierung in ausscheidbare Formen umgewandelt werden.
  • Entzündungsregulation: Eine funktionierende Methylierung kann Entzündungsprozesse im Körper im Zaum halten.

Wenn diese Prozesse nicht reibungslos ablaufen, kann der gesamte Organismus in Schieflage geraten. Das ist vergleichbar mit einem Dirigenten, der falsche Einsätze gibt und so das Orchester durcheinanderbringt.


Nährstoffe, die für die Methylierung wichtig sind


Wie in jedem guten Orchester braucht auch der Dirigent die richtigen Instrumente, um harmonische Klänge zu erzeugen.

Für unseren Körper sind das in erster Linie:

  • Folsäure (Vitamin B9) in aktivierter Form (5-Methyltetrahydrofolat): Sie ist einer der Hauptakteure im Methylierungszyklus.
  • Vitamin B12: Hilft bei der Weitergabe der Methylgruppen und ist für gesunde Nerven unerlässlich.
  • Vitamin B6: Unterstützt viele Enzyme, die in den Methylierungsprozess eingebunden sind.
  • Betain (Trimethylglycin, TMG): Dient als direkter Spender für Methylgruppen.
  • Methionin: Eine Aminosäure, die zur Bildung von SAMe (S-Adenosylmethionin) benötigt wird - dem universellen „Methyl-Spender“.
  • Cholin: Lässt sich teilweise zu Betain umwandeln und ist somit ebenfalls essenziell für einen reibungslosen Methylierungszyklus.

Fehlt ein oder mehrere dieser Nährstoffe, gerät der Zyklus ins Straucheln. Beispielsweise kann ein niedriger Folat- oder Vitamin-B12-Spiegel dafür sorgen, dass wichtige Prozesse stehen bleiben und sich schädliche Zwischenprodukte (z. B. Homocystein) anhäufen. Mehr über Vitamin B12 findest du in dem Artikel "Vitamin B12 – Das Wunder für die Nerven".


Was ist eine Methylierungsstörung?


Von einer Methylierungsstörung spricht man, wenn die Methylierung nicht optimal funktioniert.

Die gängige Wissenschaft sieht folgende Gründe dafür:

  • Genetische Varianten wie Mutationen im MTHFR-Gen (Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase), das für die Umwandlung von Folsäure in ihre aktive Form verantwortlich ist.
  • Nährstoffmängel (z. B. unzureichend B-Vitamine).
  • Umweltgifte und andere Stressfaktoren, die den Methylierungszyklus zusätzlich belasten oder blockieren.

Im Kern bedeutet das, dass der Dirigent seine Musiker nicht mehr passend koordinieren kann und das Orchester entsprechend disharmonisch klingt. Das zeigt sich dann meist nicht nur in einem Symptom, sondern kann sehr unterschiedliche Bereiche des Körpers betreffen (z. B. Entgiftung, Hormonhaushalt, Nervenfunktion).

Wie kann man testen, ob eine Methylierungsstörung vorliegt?

Wer den Verdacht hat, eine Methylierungsstörung zu haben, kann nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand verschiedene Testverfahren nutzen.

Bluttests:

  • Homocysteinspiegel: Ein erhöhter Wert kann auf eine suboptimale Methylierung hinweisen.
  • Folsäure-, Vitamin-B12- und Methylmalonsäure-Werte: Ein Mangel oder Ungleichgewicht liefert wichtige Hinweise zur B-Vitamin-Versorgung.

Genetische Tests:

  • Überprüfung des MTHFR-Gens und anderer relevanter Gene, um eventuelle Varianten aufzudecken.
  • Epigenetische Tests, die das aktuelle Methylierungsmuster an den Genen analysieren.

Spezialisierte Laborwerte:

  • SAMe (S-Adenosylmethionin) und SAH (S-Adenosylhomocystein), die detailliertere Einblicke in den Methylierungsstatus geben.

In der Regel beginnt man mit Basis-Blutwerten und erweitert die Analyse bei konkretem Verdacht. So lassen sich Störungen genauer eingrenzen und gezielt angehen.

Welche Probleme und Symptome können Methylierungsstörungen verursachen?


Eine gestörte Methylierung kann eine ganze Reihe von Beschwerden auslösen, weil so viele Prozesse im Körper betroffen sind.

Mögliche Symptome einer Methylierungsstörung:

  • Erhöhtes Homocystein: Erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Müdigkeit und Erschöpfung: Mangelnde Entgiftung und Reparaturmechanismen schwächen den Körper.
  • Stimmungsschwankungen, Depressionen, Angstzustände: Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin sind auf Methylierung angewiesen.
  • Neuropathie: Ein Vitamin-B12-Mangel durch gestörte Methylierung kann die Myelinschicht der Nerven schädigen (Kribbeln, Taubheit, Schmerzen).
  • Neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer, Parkinson): Unzureichende Entgiftung und hoher Homocysteinspiegel erhöhen das Risiko für neuronale Schäden.
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden: Chronische Entzündungen können bei fehlerhafter Methylierung verstärkt werden.
  • Hormonelle Dysbalancen: Östrogenverwertung ist auf eine funktionierende Methylierung angewiesen (Zyklusstörungen, PMS).
  • Erhöhte Anfälligkeit für Umweltgifte: Wer nicht effektiv entgiftet, reagiert sensibler auf Chemikalien oder Schwermetalle.
  • Kognitive Probleme und Gedächtnisstörungen: Eine suboptimale Methylierung kann dazu beitragen, dass das Gehirn weniger effizient arbeitet, was sich zum Beispiel in Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit oder „Gehirnnebel“ äußern kann.
  • Schlafprobleme: Neurotransmitter wie Serotonin und Melatonin sind auf einen reibungslosen Methylierungsprozess angewiesen. Wenn hier etwas nicht stimmt, können Ein- oder Durchschlafprobleme die Folge sein.
  • Immunschwäche und erhöhte Infektanfälligkeit: Methylierung hat Einfluss auf die Immunregulation. In manchen Fällen führt eine Störung dazu, dass das Immunsystem nicht mehr so effektiv arbeiten kann.
  • Anämie (Blutarmut): Ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäure durch gestörte Methylierung kann zur Bildung auffälliger, vergrößerter roter Blutkörperchen (megaloblastische Anämie) führen. Dies zeigt sich zum Beispiel in Blässe, schneller Erschöpfung oder Kurzatmigkeit.
  • Hautveränderungen: Manche Betroffene berichten von trockenem, gereiztem oder ungewöhnlich empfindlichem Hautbild. Bei einem B12-Mangel kann sich zum Beispiel die Hautbarriere verschlechtern.
  • Magen-Darm-Probleme: Störungen in der Methylierung können sich indirekt auf den Darm auswirken, etwa durch Änderungen im Neurotransmitter-Gleichgewicht (das auch die Darmbewegung und -flora beeinflussen kann). Einige berichten von Verdauungsstörungen wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung.
  • Kopfschmerzen und Migräne: Erhöhte Homocysteinwerte oder ein Mangel an B-Vitaminen im Rahmen einer Methylierungsstörung werden mitunter auch mit häufigen Kopfschmerzen oder Migräneattacken in Verbindung gebracht.
  • Fertilitäts- und Schwangerschaftsprobleme: Da Folsäure und ein gut funktionierender Methylierungszyklus für die frühe Embryonalentwicklung essenziell sind, können Störungen unter anderem das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen.
  • Autoimmunreaktionen: Eine fehlerhafte Genregulation durch gestörte Methylierung könnte möglicherweise an der Entstehung oder Verstärkung mancher Autoimmunerkrankungen beteiligt sein, da bestimmte entzündungsfördernde Gene aktiver sein können.

Ob und welche dieser Symptome auftreten, variiert stark von Person zu Person. Einige Menschen mit Methylierungsstörungen zeigen nur leichte Beschwerden, andere haben eine ganze Reihe von Symptomen. Daher ist es sinnvoll, bei chronischen oder schwer erklärbaren Beschwerden nicht nur an typische Ursachen zu denken, sondern gegebenenfalls auch an die Methylierung.


Was kann man tun, um Methylierungsstörungen zu beheben?


Hier gibt es eine gute Nachricht, denn man kann selbst viel tun, um den Körper wieder in den richtigen Takt zu bringen.


Nährstoffmängel beheben

  • Ernährung: Dunkelgrünes Blattgemüse (Spinat, Brokkoli), Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte für Folat; tierische Produkte (Fleisch, Eier, Fisch, Milch) oder Supplemente für B12; Rüben und Weizenkleie für Betain.
  • Supplementierung: Bei labortechnisch nachgewiesenem Mangel (oder genetischen Varianten) kann z. B. aktive Folsäure (5-MTHF) helfen. Vitamin B12 sollte in bioverfügbaren Formen (z. B. Methylcobalamin) supplementiert werden.

Darmgesundheit stärken

  • Probiotika und präbiotische Lebensmittel (z. B. fermentiertes Gemüse, Joghurt, Kombucha) fördern eine ausgeglichene Darmflora.
  • Ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse) verbessert die Verdauung und wirkt sich positiv auf die Aufnahme von B-Vitaminen aus.
  • Eine gesunde Darmbarriere und das Vermeiden von Dysbiosen (Ungleichgewichten in der Darmflora) können indirekt die Methylierung unterstützen, weil Nährstoffe dann besser verwertet werden.


Unterstützung des Antioxidantiensystems

  • Glutathion gilt als eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien. Ein optimiertes Glutathion-System kann die Entgiftung verbessern, was wiederum die Methylierung entlastet. Manche nehmen daher N-Acetylcystein (NAC) oder Liposomales Glutathion ein. Mehr über Glutathion und seine vielfältigen Vorteile findest du in dem Artikel "Glutathion - Unser unsichtbares Schutzschild".
  • Polyphenole und andere Antioxidantien aus Beeren, Kurkuma, grünem Tee etc. stärken zusätzlich die körpereigenen Abwehr- und Entgiftungsprozesse.

Spezifische Ergänzungen

  • SAMe (S-Adenosylmethionin) kann bei manchen Menschen mit ausgeprägten Methylierungsproblemen helfen, sofern ein Mangel besteht (unbedingt Fachmeinung einholen).
  • Cholin und Betain (TMG) können zusätzlich zur regulären Ernährung in Form von Supplements eingenommen werden, wenn der Methylierungszyklus deutlich stockt.

Gesunder Lebensstil

  • Stress reduzieren: Dauerstress fördert Entzündungen, verbraucht B-Vitamine und andere Nährstoffe schneller.
  • Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen, Yoga oder Progressive Muskelentspannung können sich positiv auf das autonome Nervensystem auswirken und den Körper entlasten.
  • Schlafqualität verbessern: Während des Schlafes regeneriert der Körper und führt wichtige Reparaturprozesse durch.
  • Bewegung: Moderate, regelmäßige Aktivität unterstützt Stoffwechsel und Entgiftung, fördern die Durchblutung und damit die Nährstoffversorgung deiner Zellen.
  • Sonnenlicht unterstützt die Vitamin-D-Bildung, was viele Stoffwechselabläufe verbessert und das Immunsystem stabil hält.

Entgiftung fördern

  • Genug trinken: Wasser oder ungesüßte Tees helfen, Schadstoffe auszuspülen.
  • Leberfreundliche Kost: Lebensmittel wie Artischocken, Löwenzahn oder Mariendistel können die Leber entlasten.
  • Alltagsgifte minimieren: Chemiearme Haushaltsreiniger, Naturkosmetik und regelmäßiges Lüften. Wo Gifte im Alltag lauern und wie du sie minimieren kannst, erfährst du in dem Artikel "Anthony William über verborgene Belastungen in Ernährung und Alltag".
  • Eventuell Schwermetallbelastung prüfen, gerade wenn Verdacht auf Amalgamfüllungen oder andere Giftquellen besteht.

Überprüfung möglicher chronischer Infektionen oder Inflammationen

  • Bei anhaltenden und unklaren Beschwerden lohnt es sich, verborgene Infektionen (z. B. Borreliose) oder chronische Entzündungsherde auszuschließen bzw. zu behandeln. Diese können den Stoffwechsel und insbesondere den Methylierungszyklus belasten.
  • Zahnherde oder schwelende Entzündungen (z. B. im Mundraum oder im Darm) spielen bei manchen Menschen ebenfalls eine Rolle.

Hormonelle Balance

  • Falls du starke hormonelle Beschwerden hast, kann es sinnvoll sein, Schilddrüse (T3/T4), Nebennierenhormone (Cortisol) oder den Geschlechtshormonstatus prüfen zu lassen. Ein Ungleichgewicht kann indirekt auch die Methylierung beeinträchtigen.

Mind-Body-Verbindung pflegen

Chronische seelische Belastungen und ungelöste Konflikte wirken sich oft auf die körperliche Ebene aus. Psychologische Betreuung oder Coaching kann helfen, wenn Stress oder emotionale Themen den Methylierungszyklus mit aus der Bahn werfen.

Professionelle Unterstützung


Bei komplexen Fällen und ausgeprägten Beschwerden lohnt sich eine Beratung durch Ärzte oder Heilpraktiker, die sich mit Methylierungsstörungen auskennen.

Ein Blick in die Zukunft


Die Forschung auf dem Gebiet der Methylierung schreitet rasch voran. Wissenschaftler entdecken immer weitere Zusammenhänge zwischen gestörter Methylierung und Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder anderen degenerativen Prozessen. Das eröffnet möglicherweise neue Wege für individualisierte Therapien, bei denen man genau hinschaut, wie die Gene einer Person epigenetisch geschaltet sind. Auch beim Thema Prävention könnte das Wissen um unsere genetischen und epigenetischen Schalter zukünftig eine große Rolle spielen.

Anthony William („Medical Medium“): Unkonventioneller Blick auf die Methylierung


Nicht jeder schließt sich der gängigen Theorie an, dass MTHFR-Genvarianten oder Nährstoffmängel die Hauptursache von Methylierungsproblemen sind. Anthony William, bekannt als „Medical Medium“, vertritt eine etwas andere Sicht. Er stellt vor allem die Leber und das Ileum (ein kurzer Dünndarmabschnitt direkt vorm Dickdarm) in den Fokus, wenn es um die Methylierung geht und räumt der klassischen Theorie über MTHFR-Genmutationen kaum Bedeutung ein.

Die Bedeutung von Leber und Ileum bei der Methylierung

Nach Anthony William wird die Methylierung überwiegend von deiner Leber gesteuert, und dabei hilft das Ileum tatkräftig mit. Die Nährstoffe, die du zu dir nimmst, gelangen vom Ileum über das Pfortadersystem in die Leber. Deine Leber kann dann mithilfe dieser Nährstoffe ihre vielfältigen Aufgaben bewältigen.
Funktioniert das Ileum nicht richtig, kommen weniger Nährstoffe im Pfortadersystem an.


Eine Leber, die nicht optimal versorgt wird, kann wiederum die Methylierung nicht im notwendigen Maß aufrechterhalten. In Anthony Williams Weltbild entsteht dadurch eine Kettenreaktion: Ist deine Leber überlastet, spürst du es beim Thema Methylierung.


Gibt es die MTHFR-Genmutation wirklich?


Anthony William behauptet, dass es gar keine echte MTHFR-Genmutation gibt. Aus seiner Sicht sehen Wissenschaftler lediglich erhöhte Entzündungsmarker und interpretieren sie fälschlicherweise als Genvariante.


Er führt folgende Argumentation an:

  • Alle Gentests würden nur aktive Entzündungsprozesse feststellen. Wenn du schon einmal deinen Homocysteinwert im Blut hast messen lassen, hast du vielleicht bemerkt, dass er unter den Entzündungsparametern auftaucht.
  • Wird eine vermeintliche Genmutation festgestellt, reagiert der Test laut William in Wahrheit nur auf Entzündungsmarker und nicht auf eine tatsächliche Mutation.

Rolle der Methylierung aus Anthony Williams Perspektive


Anstatt den Fokus auf die chemischen Vorgänge und mögliche MTHFR-Varianten zu legen, stellt Anthony William die Leber und das Blut in den Mittelpunkt.

Er glaubt, dass

  • Viren,
  • Umweltgifte
  • und eine überlastete Leber

die entscheidenden Faktoren sind, wenn dein Methylierungsprozess ins Stocken gerät.


Erst wenn diese Belastungen zu stark werden, „verschmutzt“ dein Blut und die Methylierung läuft nicht mehr „sauber“.


Überlastete Leber statt Genmutation


Anthony William behauptet, dass verschiedene herpetische Viren wie Epstein-Barr, Gürtelrose (Varizella-Zoster) oder das Cytomegalievirus (CMV) in deinem Körper ihr Unwesen treiben können. Wenn diese Viren besonders aktiv werden oder lange im Körper bleiben, fallen dabei giftige Abfallprodukte an.
Diese Abfälle sammeln sich, zusammen mit anderen leberschädigenden Stoffen (z. B. Pestizide, Herbizide, Antibiotika), in deiner Leber an und machen sie träge.
Deine Leber kann dann nicht mehr ausreichend Vitamin B12 speichern und bei Bedarf in den Körper schicken.

Mit der Zeit muss das Ileum einspringen, um eine schwächelnde Leber zu unterstützen, doch wird auch dieser Abschnitt des Dünndarms irgendwann überlastet.
So gerät für Anthony William alles durcheinander, ohne dass eine echte genetische Mutation vorliegen müsste.

Viren und Umweltgifte als wahre Ursache


Nach Williams Modell ist es also die Kombination aus Viren (vor allem Epstein-Barr, aber auch Gürtelrose/Varizella-Zoster, CMV oder HHV-6) und Umweltgiften, die deine Leber in einen dauerhaften Krisenmodus versetzt. Sobald die Leber nicht mehr alle Abfallstoffe zurückhalten kann, gelangen sie laut ihm ins Blut und verschmutzen es.
Steigen dadurch die Homocysteinwerte, erscheint es so, als läge eine Genmutation vor. In Wirklichkeit handelt es sich laut William aber nur um viralen Abfall und andere Toxine, die für erhöhte Werte sorgen.


Warum nicht jeder erhöhte Homocysteinwerte hat


Laut Anthony William kann es sein, dass du trotz einer bereits erschöpften Leber gar keine MTHFR-Genmutation oder erhöhten Homocysteinwerte im Blut aufweist. Entscheidend ist, ob sich die viralen Abfälle bereits gelöst haben und ins Blut gelangt sind oder noch weitgehend in der Leber sind. Erst wenn die erste Wolke giftiger Virenabfälle oder Neurotoxine ins Blut strömt, kann der Homocysteinwert in die Höhe schnellen, was fälschlich als Mutation (MTHFR) gedeutet würde.


Wenn Ileum und Leber an ihre Grenzen stoßen


Für Anthony William spielt der Vitamin-B12-Mangel eine zentrale Rolle, wenn Leber und Ileum zu sehr gefordert sind. Die Leber kann kein ausreichendes, hochwertiges und „methyliertes“ B12 mehr liefern. Das Ileum, das noch ein Stück weit bei der B12-Bildung hilft, wird ebenfalls überlastet und kann diese Lücke nicht schließen.
Selbst wenn Bluttests hohe B12-Spiegel anzeigen, sagt das nach William nichts über die Qualität des Vitamins aus. In seinen Augen kann der Körper eine große Menge B12 im Blut haben und trotzdem „leer ausgehen“, weil es nicht in methyliertes, bioverfügbares B12 umgewandelt wird.

So will Anthony William Methylierungsprobleme lösen


Leber entgiften und stärken


Laut Anthony William entlastest du deine Leber am besten, indem du viel frisches Obst, Gemüse, grünes Blattgemüse und Kräuter zu dir nimmst - am besten in Bio-Qualität. Ein Highlight ist für ihn der Selleriesaft, da er deine Leberfunktionen unterstützen und die Bildung von hochwertigem Vitamin B12 fördern soll. Zusätzlich kannst du bestimmte Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, die deinen Körper mit wichtigen Mikronährstoffen versorgen (z. B. B-Vitamine).

Blut reinigen


Damit die Viren- und Giftbelastung nicht überhandnimmt, empfiehlt Anthony William, Schadstoffe aller Art so weit wie möglich zu minimieren. Das umfasst Pestizide, Herbizide, Konservierungsstoffe, aber auch Umweltgifte wie Schwermetalle. Gleichzeitig lohnt es sich, dein Immunsystem zu stärken, etwa durch antioxidative Lebensmittel (Beeren, Wildkräuter), ausreichend Schlaf und Stressreduktion. So können schädliche Viren, allen voran das Epstein-Barr-Virus, keine Blutverschmutzung verursachen und deiner Leber nicht noch mehr Arbeit aufhalsen.


Erhöhte Biotika


Unter „erhöhten Biotika“ versteht Anthony William frisch gepflückte Bio-Lebensmittel, die laut ihm spezielle Mikroorganismen enthalten, welche das Ileum und damit auch die Leber- und B12-Funktion unterstützen. Das kann zum Beispiel Obst oder Gemüse sein, das du direkt nach der Ernte verzehrst. Wichtig ist, dass dieses entweder ungewaschen oder nur leicht durch fließendes Wasser abgespühlt, verzehrt wird. Ansonsten spühlt man die erhöhte Biotika, laut Anthony William, weg.

Weniger Gifte, weniger Virenabfall


Je schadstoffärmer du dich ernährst und je bewusster du mit möglichen viralen Infektionen umgehst (zum Beispiel durch eine ausgewogene Lebensweise und regelmäßige Unterstützung deines Immunsystems), desto mehr schonst du deine Leber und dein Ileum. Weniger Gifte im Körper bedeuten weniger Abfall für deine Leber und weniger ideale Bedingungen für Viren, die sich sonst an deiner Schwäche bedienen könnten. Hier spielen Stress, Schlaf und weitere Lebensstilfaktoren ebenfalls eine große Rolle, denn ein gestärkter Organismus kann Eindringlinge effektiver abwehren und deine Leber bleibt länger belastbar.

Kontroverse Sichtweise von Anthony William


Anthony William stößt in der Schulmedizin auf Skepsis, weil er seine Erkenntnisse „medial“ und durch Erfahrung erhalten haben will und keine klassischen wissenschaftlichen Belege liefert. Allerdings haben über die letzten Jahrzehnte sehr viele Menschen seine Methoden mit bemerkenswerten Ergebnissen für sich genutzt, was ich durch meine persönlichen Erfahrungen damit ebenfalls bestätigen kann. Letztlich liegt es bei dir, ob du Williams Ansatz für dich in Erwägung ziehst oder eher bei der herkömmlichen Erklärung von MTHFR-Genvarianten und Nährstoffmängeln bleibst. Wichtig ist, dass du dich gut informierst und im Zweifel Fachleute zu Rate ziehst, wenn du Probleme mit der Methylierung vermutest oder bereits konkrete Beschwerden hast.

Andere alternative Erklärungen zu Methylierungsstörungen


Anthony William ist nicht der Einzige, der von der Standardlehre abweicht. Im Bereich der integrativen, funktionellen und holistischen Medizin existieren weitere, teils abweichende Thesen. Einige davon schauen wir uns jetzt kurz an.

Biochemikerin Dr. Amy Yasko zu Methylierungsstörungen


Dr. Amy Yasko legt im Vergleich zur herkömmlichen Wissenschaft einen sehr starken Fokus auf genetische Varianten (insbesondere MTHFR) und sieht darin oft den Hauptschlüssel für Methylierungsstörungen - besonders bei Autismus. Während die Schulmedizin MTHFR-Mutationen zwar anerkennt, aber in der Regel nicht als alleinige oder ausschlaggebende Ursache betrachtet, entwickelt Yasko umfangreiche und teils komplexe Supplement-Protokolle, um diese genetischen Schwachstellen gezielt zu umgehen oder auszugleichen.

Genau hier liegt der Unterschied: Ihre Herangehensweise geht weit über die allgemein üblichen Maßnahmen (wie einfache B-Vitamin-Supplementierung) hinaus und ist damit deutlich individueller, aber auch wesentlich aufwendiger als in der Standardmedizin üblich.

Dr. Dietrich Klinghardt zu Methylierungsstörungen

Dr. Dietrich Klinghardt bezieht in seinen Erklärungen zu Methylierungsstörungen neben genetischen und ernährungsbezogenen Faktoren vor allem Umweltgifte, Schwermetalle und chronische Infektionen (z. B. Borreliose, Parasiten) ein. Er geht davon aus, dass diese Belastungen den Methylierungszyklus stark beeinträchtigen können. In der klassischen Wissenschaft spielt zwar auch die Rolle von Umwelt- und Infektionsbelastungen eine gewisse Rolle, sie wird aber nicht ganz so stark in den Vordergrund gestellt. Das Besondere an Klinghardts Ansatz ist also, dass er toxische und infektiöse Faktoren als zentrale, oftmals unterschätzte Störgrößen betrachtet und intensivere Entgiftungsmaßnahmen sowie spezielle Protokolle empfiehlt - ein Fokus, der über das übliche Maß der schulmedizinischen Betrachtung hinausgeht.

Funktionelle Medizin (z. B. Dr. Ben Lynch, Dr. Mark Hyman) zu Methylierungsstörungen


Sie nutzen wissenschaftliche Erklärungsmodelle zur Methylierung, analysieren genetische Varianten aber deutlich intensiver als klassische Mediziner. Teils werden hohe Dosen bestimmter B-Vitamine empfohlen.


"Entgiftungs-Gurus" zu Methylierungsstörungen


Manche rücken Methylierung fast ausschließlich in den Kontext der Giftausleitung und ignorieren andere wichtige Aufgaben wie Neurotransmitter-Synthese oder Genregulation.


Biohacking-Szene zu Methylierungsstörungen


Vertreter wie Dave Asprey oder Gary Brecka propagieren Methylierung als Schlüssel für mehr Leistung und Langlebigkeit. Oft stehen hochdosierte Supplements oder spezielle Diäten im Vordergrund.

Mein Fazit zur Methylierung: Finde deinen eigenen Weg


Unterm Strich sind sich alle Ansätze - von der klassischen Wissenschaft über Anthony William bis hin zur integrativen Medizin - darin einig, dass Methylierung ein zentraler Mechanismus im Körper ist. Ohne sie läuft weder Entgiftung noch Hormonregulation noch Neurotransmitter-Balance reibungslos. Wie genau und warum eine Methylierung aus dem Takt gerät, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander:

  • In der Mainstream-Medizin fokussiert man auf Genvarianten (allen voran MTHFR) und Nährstoffmängel.
  • Anthony William meint, Viren und Umweltgifte überlasten die Leber und das Blut und nur eine Entgiftung dieses Systems bringe den Dirigenten wieder auf Kurs.
  • Andere Experten setzen auf die Integration von genetischen, epigenetischen und umweltbedingten Faktoren.


Wichtig ist, dass du deinen Körper möglichst ganzheitlich betrachtest. Vielleicht hilft dir ein Gentest, um eine MTHFR-Variante auszuschließen oder zu bestätigen. Oder du achtest verstärkt auf ausreichende B-Vitamin-Zufuhr und reduzierst Stress, um deine Methylierung zu unterstützen. Wer spezifische Beschwerden hat, sollte sich jedoch am besten von kompetenten Fachleuten beraten lassen - sei es in der Schulmedizin, bei funktionellen Medizinern oder ggf. mit alternativen Therapiekonzepten.


Am Ende zählt, was dir persönlich gut tut. Je mehr du über Methylierung weißt, desto besser kannst du für deinem Körper sorgen. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass es nie verkehrt ist sich abwechslungsreich, frisch und gesund zu ernähren, Gifte zu meiden, sich zu bewegen, gut zu schlafen und Stress zu reduzieren. Zumindest sind sich darin alle Experten einig!

Wichtiger Hinweis

Bei Beschwerden oder Krankheiten wende dich bitte an einen Arzt oder Heilpraktiker – ganz besonders wenn du Medikamente nimmst. Dieser Artikel darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden. Diese Inhalte ersetzen bei Erkrankungen nicht die Konsultation bei einem Schulmediziner. Bitte kontaktiere im Zweifelsfall immer deinen Hausarzt.Wie jede Wissenschaft ist die Medizin sowie mit ihr verwandte Disziplinen ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Artikel eine Empfehlung, Dosierung, Applikation, o.Ä. erwähnt wird, darfst du zwar darauf vertrauen, dass hier große Sorgfalt darauf verwandt wurde, dass diese Angabe dem aktuellen Wissensstand entspricht. Jedoch kann für solche keine Gewähr oder Haftung übernommen werden.